In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach Ethanol und Biodiesel aus Korn, Pflanzenöl, Zucker und anderen planzlichen Rohstoffen und Produkten stark zugenommen. Sie hat unterdessen ein Volumen erreicht, welches sich auf den gesamten Landwirtschaftssektor und dessen Märkte auswirkt.
Dies ist nicht etwa die Schlagzeile eines Gegners von Biosprit, sondern die Einleitung zu einer Studie über “Biofuels and Commodity Markets - Palm Oil Focus”, von P. Thoenes, Commodities and Trade Division, FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations). Es gibt einen guten Grund dafür, warum man sich neuerdings so sehr für Palmenöl interessiert. Im FAO-Paper steht: “Es besteht ein allgemeiner Konsens darüber, dass sich bei Fehlen von Subventionen Palmenöl bei Weitem als das konkurrenzfähigste Pflanzenöl zur Herstellung von Biodiesel erweist.” Auch ohne Biodiesel haben die günstigen Produktionskosten die Nachfrage nach Palmenöl in den letzten Jahren dermassen erhöht, dass unterdessen wohl über die Hälfte des ganzen Marktes für Pflanzenöle durch Palmenöl gedeckt wird, mit den entsprechenden Konsequenzen für den Regenwald in Malaysia und Indonesien.
Gemäss FAO-Studie haben erste Untersuchungen sich mit den länderspezifischen Schwellenpreisen befasst und aufgezeigt, wie hoch die Schwellenpreise der Biosprit-Rohstoffe jeweils angesetzt werden müssten und bei welchen Rohölpreisen dies realistisch wäre, damit sich die Produktion von Biokraftstoffen wirtschaftlich lohnen würde. Die folgende Rangliste verschiedener Rohstoffe ist das Resultat zweier solcher Studien (zu Konditionen von Schwellenpreisen von 2005/06) :
1. Rang: Zuckerrohr (Brasilien), 2. Rang: Kassava (Thailand), 3. Rang: Palmöl (Malaysia und Indonesien), 4. Rang: Mais (USA), 5. Rang: Zuckerrüben (EU), 6. Rang: Raps, 7. Rang: Weizen (EU und USA). Die folgende Tabelle zeigt, welche Rohstoffe am meisten gebraucht werden und wie sich diese auf die Umwelt und auf die weltweite Nahrungs- und Wasserversorgungslage auswirken. In der 2. Kolonne rechts steht wieviel Prozent der bestehenden Anbaufläche der USA notwendig sind, um die Hälfte des amerikanischen Treibstoffbedarfs zu decken. Aus den Pro und Kontra ganz rechts geht hervor, dass die Technologie entweder noch nicht reif ist oder entsprechende Landreserven fehlen, respektive die Nahrungsmittelversorgung verschlechtert würde.

Sogar wohlbekannte Verfechter der Theorie der menschengemachten globalen Erwärmung tun sich schwer, das grüne Image von biologischen Treibstoffen gegenüber fossilen aufrecht zu erhalten. Einer davon ist Lester Brown, Präsident des Earth Policy Institute (EPO). Es folgt ein Auszug aus dem CNN interview vom 25. April 2008:
TOM FOREMAN, CNN ANCHOR: … Steigende Lebensmittelpreise. Was ist die Lösung?
I’m joined by a man who thinks he might see some solution to all of this. Lester Brown, president of the EPO and author of “Plan B 3.0: Mobilizing to Save Civilization.” And up in New York, a man who knows all the answers are or so, he tells me, CNN’s senior business correspondent Ali Velshi. Thanks for being here.
Lester, let me start with you. Warum sind die Lebensmittelpreise so stark gestiegen?
LESTER BROWN, EARTH POLICY INSTITUTE: There are a number of trends that are operating here at the same time. One is 17 million people a year. And you don’t have to be an agronomist to know you get in trouble if you do that indefinitely. Second is incomes are going up. People around the world, maybe four billion people want to move up the food chain. [Etwa 4 Milliarden Menschen möchten höher hinaus "in der Nahrungsmittelkette¨]
FOREMAN: So they’re buying more than moving up in the chain. What else?
BROWN: Drittens, und das wirklich Entscheidende in den letzten paar Jahren war die enorme Umverteilung der amerikanischen Getreideernte für die Ethanolproduktion. Die weltweite Nachfrage nach Getreide wuchs um etwa 20 Millionen Tonnen pro Jahr. Essen, Futter, und so weiter. Und dann plötzlich, während der letzten paar Jahren gab es einen Sprung auf etwa 50 Millionen Tonnen pro Jahr. Dreissig Millionen Tonnen, das ist Getreide das in die Ethanolproduktion geht.
FOREMAN: Das ist Mais, das für etwas anderes als Nahrung gebraucht wird - zum Ersatz von Energie. Ali, kannst du mit diesen Erklärungen etwas anfangen oder gibt es da etwas anderes?
ALI VELSHI, CNN SENIOR BUSINESS CORRESPONDENT: Oh, unless he’s being — he’s very learned about this. Eigentlich ist er extrem höflich. Es ist doch eine lächerliche Politik, Nahrungsmittel die wir normalerweise essen in Treibstoffe für unsere Autos zu verwandeln, wenn wir eine solch unkontrollierte Nachfrage nach Benzin haben.
Tatsache ist, dass es ein gutes Konzept ist, die Abhängigkeit von Rohöl zu reduzieren, indem wir andere Dinge benutzen. Andere Dinge, das sind etwa Abfallprodukte oder etwas was niemand isst. Ich weiss nicht. Vielleicht könnten wir auch Öl aus Rosenkohl oder so gewinnen. Aber Mais, ein Grundnahrungsmittel zu nehmen — so getan resultierte dies darin, dass andere Grundnahrungsmittel wie Weizen und Reis auch in die Höhe kletterten… Das sind ganz wichtige Dinge. Wir hatten Rekordpreise bei Weizen, Mais, Sojabohnen und Reis, und davon ist ein grosser Teil auf Biosprit zurückzuführen, der auf die falsche Weise hergestellt wird.
FOREMAN: Na ja, Ali, ich weiss du hast dir soeben Feinde geschaffen in der Ethanol-Gemeinde und in der Rosenkohl-Gemeinde. Wir kommen gleich darauf zurück. Schauen wir mal auf einige dieser angesprochenen Preissteigerungen. Wenn du davon nichts in deinen eigenen Läden mitbekommen hast, hast du leicht folgende Beispiele mitbekommen:
Schau, Eier sind 34% gestiegen, fast 35% in den vergangenen 12 Monaten. Weissbrot um mehr als 16% in derselben Zeit. Milch 13,3%. Dies sind wirklich die Preise die hier zu Buche schlagen, Lester. Gibt es dafür Lösungen? Nehmen wir einmal an, wir streichen die Ethanol-Subventionen und beschliessen, dies nicht wieder zu tun? Nun, dies trägt zum Energieproblem bei und der Transport all dieser Lebensmittel und deren Produktion verbraucht Energie. Wie sollen wir da nur rauskommen?
BROWN: Also zuerst zur Energie– Ethanol ist nicht die Lösung unseres Treibstoffproblems. Selbst wenn wir die ganze Getreideernte zu Biosprit für unsere Autos verarbeiten, würde dies vielleicht so 16% der Nachfrage abdecken. Das kann es wirklich nicht sein. Ich denke die Antwort wäre - und das erst in ein paar Jahren - Hybridfahrzeuge, die fast vollständig mit Elektrizität fahren können.
FOREMAN: Das würde das Energieproblem lösen, aber was machen wir mit der Lebensmittelversorgung? Ich denke dass eine Menge Leute da draussen echt besorgt sind, dass wenn sie ihre Mahlzeitenrechnungen anschauen, sie sich sagen werden, dass sie sich dies nicht mehr leisten können.
BROWN: Richtig. Wenn wir den Anteil Getreide, das in die Ethanolproduktion geht, schnell und durchgreifend reduzieren, wird sich etwas Stabilität im weltweiten Nahrungsmittelmarkt einstellen, inklusive hier in den USA. Ich meine was wir heute machen ist, die Umwandlung von Getreide in Treibstoff zu subventionieren, um für diese Subventionen mit steigenden Lebensmittelpreisen belohnt zu werden.
… …
Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, welcher die Lebensmittelkrise vor allem der stetigen Migration der ländlichen Bevölkerung in die Städte zugeschrieben hatte, was im Gegenzug die Lebensmittelproduktion beeinträchtigte, sagte dass er sowohl dies als auch Faktoren welche die industrialisierte Welt betreffen, wie die Umwandlung von Getreide zur Biospritproduktion und die Spekulation an der Terminbörse, am Gipfeltreffen in Rom in der ersten Juniwoche einbringen wird. Es gibt auch eine gute Nachricht im letzten FAO-Bericht , welcher nicht mit dem Finger auf die USA und die EU mit ihren umfangreichen Biosprit-Subventionsprogrammen zeigte. Positiv erwähnte der Bericht, wie die kürzlichen Apelle an verschiedene Regierungen, ihre Lebensmittelproduktion zu erhöhen, ihre ersten Früchte zeigen. Der dadurch zu erwartete Preisrückgang in landwirtschaftlichen Produkten während der neuen 2008/2009er Saison dürfte sich demnach allerdings in Grenzen halten, da das Bedürfnis, Lager aufzubauen und eine Erhöhung des Konsums dagegen wirken werden. Die schlechte Nachricht ist dass Pflanzenöle zusammen mit den steigenden Ölpreisen weiterhin in die Höhe schnellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Biosprit ist immer noch schlecht für die Umwelt, ineffizient zur Reduktion von Treibhausgasen, und all die Biokraftstoffe tragen auch nicht viel dazu bei, das Energieproblem zu lösen. Zudem haben sie auch einen negativen Einfluss auf die weltweite Nahrungsmittelversorgung. So lange etwa der Gebrauch von Ethanol und dergleichen so sehr von Subventionen in hoch entwickelten Ländern abhängig ist, und dadurch die Preise von Mais, Weizen, Pflanzenöl und Reis als Grundnahrungsmittel weiter in die Höhe schiessen lassen, sollten diese Biokraftstoffe nicht als sauberer als fossile Treibstoffe gelten. Sollten auf der anderen Seite die Subventionen fallen gelassen werden und die Nachfrage weitgehend durch Zuckerrohr, Palmenöl und Kassava gedeckt werden, würde es wohl kaum mehr möglich sein, den verbleibenden Regenwald vor der Abholzung zur Landgewinnung zu schützen. Elektro- Hybrid- und Erdgasfahrzeuge scheinen die Zukunft zu sein.




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