Manche sagen, er hat sich zu einem echten Klimatologen gemausert, andere - vor allem AGW Alarmisten - finden hingegen, dass er kein Wissenschaftler, sondern ein Strohmann mit schlechten Manieren ist. Christopher Monckton, Viscount von Benchley, mag nicht immer die Charaktereigenschaften eines Gentleman oder “Lord” verkörpern.  Nun ja, wenn Sie einfach nur der Unterhaltung wegen nach “Monckton” gesucht haben, dann schlage ich vor, Sie gehen direkt zur Public Policy Webseite mit der Antwort zu Dr. Arthur Smith’s Kritik des Monckton-Papers “Klimasensitivity Reconsidered” . Allen anderen Lesern möchte Climatepatrol aufzeigen, wie diese ganze Debatte über das Ausmass der anthropogenen globalen Erwärmung (AGW) zum laienmässigen Versuch passt, im letzten Climatepatrol-Beitrag die IPCC-Sichtweise über die Sensitivität des Klimas auf die Treibhausgase kritisch zu prüfen. Moncktons neu lancierte Debatte über die Klimaempfindlichkeit oder Klimasensitivität kommt wie gerufen. Smiths Kritik am Monckton-Paper wahr nicht minder hilfreich. Die Tatsache dass der Chefredaktor der American Physical Society (APS) nachträglich beschwichtigte, dass “der folgende Artikel [besagte Monckton Studie] in keiner Weise einer wissenschaftlichen Begutachtung (Peer Review) unterzogen wurde, da dies nicht die normale Praxis für einen APS-Newsletter-Artikel ist”, hat der Debatte eine besondere Würze verliehen. Das Paper ist frei verfügbar und kann hier über die APS-Website heruntergeladen werden.

HadCRUT3 temperature anomalies and log CO2

 Die obige Grafik ist der Seite 4 der weiter oben erwähnten “Kritik von Arthur Smith” des Monckton Papers “Climate Sensitivity Reconsidered” entnommen. Als Originalquelle ist dort Hadley Center temperature series angegeben. Climatepatrol erachtet diese Graphik als Goldstück der 20-seitigen Klimadebatte unter Experten, insbesondere für die versuchte Klärung der Klimasensibilität mit all seinen Unsicherheiten. Sie liefert ein Stück weit eine Falsifikation der Theorie der globalen Erwärmung anhand von gemessenen CO2- und Temperaturdaten schlechthin. Die Wissenschaft in Bezug auf das Ausmaß der Erwärmung des Planeten ist damit aber noch lange nicht geklärt. Immerhin zeigt die Graphik das Ausmass der vergangenen Erwärmung an und parallel dazu die Erwärmung, die auf den theoretischen Einfluss des CO2 auf die Oberflächentemperatur zurückgeführt werden kann. Die ganze Erwärmung der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und die Gesamtheit der Erwärmung des zwanzigsten Jahrhunderts wäre damit optisch als direkte Wirkung eines Anstiegs von CO2 in der Atmosphäre erklärt. Da hat aber keine natürliche Erwärmung mehr Platz. Sein oder Nichtsein, das ist die Frage.

Die Rechnung könnte etwa so aussehen: Mit einer sofortigen (transienten) Klimasensitivität von 2 (+2°C) für 2×CO2 kann die beobachtete Temperaturerhöhung  von +0,7°C im 20. Jahrhundert zwar gut mit der gemessenen Erhöhung des CO2 um den Faktor 1,274 (368 ppm im Jahr 2000 gegenüber 289 ppm im 1900) erklärt werden ([T?=Forcing 2×LOG(1,274;2)].

Wie steht es aber mit den vergangenen 50 Jahren? Das Hadley Centre zeichnete mit seinen HadCRUT3 Globaltemperatur-Anomalien (wenn man diese mit einem laufenden 20-jährigen Durchschnitt 1940/1960 bis 1990/2010 glättet) eine Erwärmung von 0,44°C auf. Alleine der gemessene Anstieg von CO2-Konzentration um den Faktor von 1,185 (368 ppm um 1950 gegenüber 311 ppm um 2000) hätte bei Sensitivität 2 sofort eine Temperaturerhöhung von +0,49°C bewirken müssen. Das ist zwar kein statistisch signifikanter Mehrwert. Hiermit endet die Geschichte aber auch nicht.

Erinnern wir uns an den IPPC-Bericht, wonach das “Best-Estimate”-Modell für das neue Strahlungsgleichgewicht der Atmosphäre nach einer CO2-Verdoppelung von einer Temperaturerhöhung von 3°C ausgeht. Fakt ist, dass die meisten im IPCC akzeptierten Modelle mit einer Verzögerung zwischen 50 und 100 Jahren rechnen, bis das neue Strahlungsgleichgewicht in der Biosphäre hergestellt ist; (die Ozeane brauchen ihre Zeit, um sich zu erwärmen, usw.). Daraus folgt, dass das “Best estimate” für 2×CO2 transiente Sensitivität von +2°C quasi das für die nächsten Jahrzehnte gültige Gegengleich der Gleichgewichtssensitivität von +3°C gemäss IPCC ist. Daher lehrt Dr. Smith in seiner Monckton-Widerlegung:  

 

The best fit to observed temperature is for a transient response of about 2K per doubling. This compares well with the IPCC range of transient climate response of between 1 K and 3.5 K (Sektion 9.6.2.3, IPCC AR4 WG1 3).

Weiter sagt Smith:

Es gibt sicherlich widersprüchliche Faktoren unter den vielen “Forcings” (Strahlungsantriebe) wie sie des langem und breitem in den IPCC-Berichten diskutiert werden, aber die Tatsache, dass die Temperaturerhöhung des 20. Jahrhunderts nicht nur mit dem Anstieg des CO2 korrelierte, sondern sogar von fast genau der erwarteten Größe ist, ist ein ziemlich starker Anhaltspunkt dafür, dass die Zahlen über direkte Sensitivität und die Gleichgewichtssensitivität des IPCC der realen Welt entsprechen. Insbesondere ist die gesamte Sensitivität im Strahlungsgleichgewicht mit Gewissheit nicht so tief wie von Monckton mit 1,1 K, ganz ohne Feedbacks, behauptet, und sie liegt nirgends auch nur annähernd bei den von Monckton veranschlagten 0,6 K.

Der berühmteste “widersprüchliche Faktor” ist wahrscheinlich die viel zitierte IPCC-Erklärung vom IPCC AR4 AG1 SPM:

Most [Hervorhebung hinzugefügt] of the observed increase in global average temperatures since the mid-20th century is very likely due to the observed increase in anthropogenic greenhouse gas concentrations.” (Seite 10).

Das ist kein Übersetzungsproblem. Die Englisch sprechenden Leute sind genauso verwirrt wie deutschsprachige Leser. Monckton steht nicht alleine da. Gewisse Experten scheinen sich nicht einmal über das Wörtchen “most” einig zu sein. Das Meiste? Mehr als die Hälfte? Mehr als zwei Drittel der Erwärmung oder praktisch die ganze Erwärmung? Smith mockiert Monckton als “konfus” wenn dieser “most” als mehr als 50% der Erwärmung interpretiert hatte.

1) Das IPCC behauptet, dass der grösste Teil der Erwärmung, nicht alle Erwärmung, auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Es wird vor allem nicht gesagt, dass die ganze Erwärmung auf steigende CO2-Konzentration zurückzuführen sein soll. Doch im Mittel der IPCC-Modelle wird im Stillen eben davon ausgegangen, dass nämlich alle Erwärmung der Vergangenheit durch steigende CO2-Äquivalente verursacht wurde.

2) Die “Best-Estimate”-Klima Sensibilität lässt keinen Raum offen für irgend eine natürliche Erwärmung (zB maximale solare Aktivitäten im 20. Jahrhundert - viele Papers erwähnen dies als Erklärung für einen grossen Teil dieser direkten und indirekten, natürlichen Erwärmung). IPCC-Autoren und Rezensenten scheinen jede natürlichen Ursachen für die Erwärmung herunter zu spielen, wenn auch im Kleingedruckten darüber diskutiert wird. So viel zum “Konsens”.

3) Im Modell-Durchschnitt, wie er in den IPCC-TAR und AP4-Berichten als Temperaturerhöhung für das 21. Jh. verwendet wird, wurde auch die gemessene Erwärmung um 0,16 ° C zwischen 1990 und 2000 nachvollzogen.  Diese Erwärmung schien den Autoren nicht zu genügen. Daher wird in den Emissionsszenarien für das 21. Jahrhundert die folgende durch sich weiter anreichernde Treibhausgase mit samt längerfristigen Feedbacks hervorgerufene Beschleunigung der globalen Erwärmung geschätzt.     

 

II.4: Model Average Surface Air Temperature Change (°C) 2000-2100 .

2000-2010: +0,18 °
2010-2020: +0,22 °
2020-2030: +0,26 °
2030-2040: +0,31 °
2040-2050: +0,33 °
2050-2060: +0,35 °
2060-2070: +0,33 °
2070-2080: +0,30 °
2080-2090: +0,27 °
2090-2100: +0,25 °

Ganz offensichtlich wird eine Verdoppelung der Wachstumsraten der globalen Oberflächentemperaturen bis Mitte 21. Jahrhundert erwartet, und zwar ohne Berücksichtigung eines bestimmten Emissions-Szenarios. Die in den IPCC-Berichten verwendeten SRES-Szenarien wurden durch Ökonomen rezensiert. Es stellt sich die berechtigte Frage, ob sie überhaupt seriös durch Klimawissenschaftler eingesehen wurden.

Wie dem auch sei, Climatepatrol sieht keine physikalische Grundlage für solch einen starken, künftigen Anstieg der Temperatur. Er passt überhaupt nicht ins Bild, wenn man bedenkt dass gemäss vielen Wissenschaftlern ein großer Teil der Erwärmung des 20. Jahrhunderts auf natürliche Ursachen zurückgeführt werden kann. Sie steht auch nicht im Lichte der jüngsten Peer-reviewten Papers, welche zumindest eine Verlangsamung der Erwärmung für das kommende Jahrzehnt projezieren. Die einzige Dokumentation für eine sich  beschleunigende Erwärmung im 21. Jahrhundert ist die oben verlinkte Tabelle im Anhang des SRES-Berichtes. Keine Dokumentation gibt eine Antwort auf die Frage, warum in den kommenden Jahrzehnten die Temperatur unabhängig von den künftigen Treibhausgas-Emissionen noch steiler nach oben gehen soll. In Anbetracht der obigen Szenario-Durchschnitt-Tabelle, nach welcher der Effekt eines jeglichen Emissionsszenarios vernachlässigt werden kann, bleibt Climatepatrol skeptisch gegenüber der Zusammenfassung für Entscheidungsträger des IPCC eingestellt.