Im letzten Beitrag war die Rede von einem 100-jährigen globalen Temperaturtrend von 1,64°C pro Jahrhundert als Durchschnitt von fünf verschiedenen globalen Temperaturmessreihen aus der Satellitenaera. Nun kamen die Satellitendaten vom Juni heraus (RSS und UAH). Wenn wir jetzt noch GISS-NASA’s Land-Ocean-Index verwenden an Stelle von “Meteorological Stations Only” wie im Mai, dann reduziert sich der Temperaturtrend auf 1.59°C pro Jahrhundert. Wenn auch dies immer noch “konsistent” ist mit dem Special Report on Emission Scenarios SRES, wie jene Temperaturszenarien bei verschiedenen Erwartungen von zukünftigen Treibhausgas-Emissionen heissen, welche in den TAR- und den AR4-Bericht des IPCC-Klimarates hinein flossen, so verlaufen die Trendkurven doch immer mehr in Richtung “unterer Rand eines jeglichen Szenarios”.
Werfen wir zuerst einen Blick auf dieselben globalen Temperaturtrends mit den fortschreitenden 4-Jahres-Mittelwerten. Die Idee dahinter ist ein Ausblenden der direkten Temperatureffekte von ENSO (Nino - Southern Oscillation) als natürliche Klimaschwankung von einem Jahr zum andern. Die Profis von Realclimate haben dies natürlich bestens grafisch dargestellt. Aber ENSO ist nicht das Hauptthema in der nachfolgenden Graphik. Es ist zwar wahrscheinlich schon so, dass El Niño der von den Vertretern einer katastrophalen globalen Erwärmung am meisten zitierte natürliche Klimafaktor ist, der wie ein lästiges Rauschen den langfristigen Trend stört. Einen nicht minder wichtigen Einfluss stellen mittlerweile zwei gewaltige Vulkanausbrüche dar: El Chichon und Pinatubo (siehe Graphik). Tatsächlich sank die Temperatur nach den Eruptionen weltweit für Monate, ja Jahre . Nun ist es das erste Mal seit der Pinatubo in den Philippinen ausbrach, dass das Wetter global Tendenzen zur Abkühlung aufzeigt. Es ist diesmal aber nicht der Effekt eines Vulkanes, auch nicht nur des kühlenden Phänomens “La Niña” als Gegenstück zu El Niño-Jahren. Jawohl, es ist auch dieses sich in die Länge ziehende Minimum solarer Aktivitäten. Aber da gibt es noch etwas anderes, das wissenschaftlich gesehen nicht so klar zu identifizieren ist: “Not unambigious”, wie Professor Gavin Schmidt, Chef der Webseite Realclimate.org, das Phänomen nennt. Es geht wieder mal um die Pazifische Dekanden-Oszillation PDO (Pacific Decadal Oscillation). Als ich das Signal dieser Schwingung, welche im Wesentlichen die Temperatur im Pazifik beeinflusst, den PDO-Index, in die Temperaturgeschichte in der Graphik einbettete, benutzte ich dieselbe, auf vier Jahre gemittelte, Auflösung der monatlichen Indexzahlen. Die PDO ist unter Wissenschaftlern weiterhin umstritten. So ist es nicht eindeutig ob es sich um einen mehr oder weniger periodischen Zyklus der Strömungsverhältnisse im Pazifik handelt, welcher unter anderem El Niño Phänomene hervorruft, oder ob die Umstellung vom einen zum anderen Regime eher zufällig geschieht. Der Index an sich zeigt klar warme und kalte Phasen auf, welche ein längerfristigeres Muster aufweisen als dies ENSO (El Nino-Southern Oscillation) verrät. Es sieht so aus als ob PDO bereits in eine Phase von kühleren Jahren umgeschaltet hätte, was vermehrt “La Niña”-Bedingungen zur Folge hat.
In der Mitte des Jahres 2008 ist über den Tropen La Niña immer noch aktiv. Zusammen mit einem sich dahinziehenden Minimum im 11-12-jährigen Sonnenzyklus ist dies eine Mischung, welche eine fortführende Unterbrechung des Trends einer globalen Erwärmung begünstigt. Siehe dazu auch Keenlyside und Latif über die Pause der Erwärmung bis 2015, diesmal im Atlantik modelliert. Da braucht nur noch ein grosser Vulkan mit globalen Auswirkungen auszubrechen, na dann…
Um auf die Behauptung im Titel zurück zu kommen: Wer sagt denn dass die Globaltemperatur dabei ist, unter die Bandbreite der IPCC-Szenarien zu fallen? Konzentrieren wir uns auf eines der Szenarien wie es auch im IPCC-Bericht AR4 zu finden ist: Das SRES-Szenario A2 geht von einer gewissen “Business-as-usual-” oder “Laisser-faire”-Einstellung der Planetenbürger aus, und das bis um 2100. Nun, so weit ich die weltweiten Auswirkungen der laufenden Anstrengungen zur Reduktion von Treibhausgasen auf die gegenwärtigen Temperaturen beurteilen kann, passt dieses wirtschaftliche Szenario des weltweiten Treibhausausstosses ganz gut für eine Zwischenbilanz. Dieses Emissions-Szenario projeziert die weltweiten Temperaturen zwischen 1990 und 2100 folgendermassen. “Best estimate” sieht eine durchschnittliche Temperaturerhöhung von 3°C zwischen den Perioden 1961-1990 und 2071-2100 vor.
Mit solch einer langjährigen Erwämungspause müsste sich aber der Planet nach 2030 sputen, um im 21. Jahrhundert noch den veranschlagten Wert von +3°C Globaltemperatur zu erreichen. Mit jedem Monat der Veröffentlichung von kühlen Temperaturen dürfte die Anzahl der Dissidenten einer katastrophalen globalen Erwärmung somit ansteigen.
Update 2008/07/19:
Quellen:
IPPC 2001, Working Group I, The Scientific Basis, Special Report on Emissions Scenarios SRES; , Graph 5 (d) The Global Climate of the 21st Century, Temperature change ( http://www.grida.no/climate/ipcc_tar/wg1/figspm-5.htm )
Model Average Surface Air Temperature Change: http://www.grida.no/climate/ipcc_tar/wg1/552.htm





